Authentisches Myanmar – Im Elefantencamp bei Yangon [Gastbeitrag]

Myanmar, das Land der Pagoden bietet seinen Besuchern Ursprünglichkeit, Natur und herzliche Menschen. Nicht nur wir haben uns bei unserer Rundreise in das Land verliebt. Auch Grit mit ihrer Familie hat das Myanmarfieber gepackt. In ihrem Gastbeitrag stellen sie uns ihr schönstes Erlebnis vor: Ein Trip in authentisches Elefantencamp in Myanmar. Ohne künstliche Touristenbespassung, aber mit einer Menge Abenteuer und neuer Erfahrungen für die gesamte Familie.

Wer reist denn da?

Wir, Ralf, Grit und Lenn, sind die Spachmanns, eine reisehungrige dreiköpfige Familie aus einem kleinen Weindorf im Mainzer Raum. Wann immer es der Jahresurlaub zu lässt, schnappen wir uns unseren Rucksack und gehen auf Reise. Urlaub heißt für uns individuell das Land entdecken, mit den Einheimischen in Kontakt treten, die kulinarischen Köstlichkeiten auf den Märkten genießen,  mit dem Moped herumcruisen und uns treiben lassen.

Bild Elefantencamp Myanmar Yangon Toungoo

Grit und ihre Familie

Für uns ist das Reisen mit Kind nie eine Frage des „Wollen wir es wagen?“ gewesen, sondern ein „Wann geht es los?“.

Unsere Lieblingsreiseziele liegen in Südostasien und in Griechenland. Die Welt ist bekanntlicher Weise groß, es gibt viel zu sehen. Unsere Neugier treibt uns immer wieder in neue Gebiete, daher vermeiden wir Wiederholungen, auch wenn es noch so schön war. Einzige Ausnahme ist auch das bei uns beliebte Bangkok. Als „Spachmännisches-Urlaubs-Ritual“ verbringen wir die erste Nacht immer in ein und dem selben Gästehaus. Der nächste Start ist schon gebucht.

Bild Elefantencamp Myanmar Yangon Toungoo

Ein Spielplatz für Groß und Klein im Land der fleißigen Dickhäuter – eine Reise zum Elefantencamp in Myanmar

Bei unserer Routenplanung baue ich gerne Highlights für Mama, Papa und Sohnemann ein. Seit wir Eltern sind, bevorzugen wir Unterkünfte mit Pool, da Lenn natürlich gern im Wasser planscht. In Myanmar sind meist nur hochpreisige Unterkünfte mit Pool ausgestattet und das sprengt dann doch etwas unsere Reisekasse. So steckte ich meine Nase etwas tiefer in den Reiseführer und fand den Ort Toungoo, der sich als Ausgangsbasis für das Urlaubshighlight der ganzen Familie entpuppte.

Toungoo liegt mit dem Bus etwa 5 Stunden nördlich von Yangon entfernt. In ländlich ruhiger Umgebung bietet dort das Myanmar Beauty Guesthouse II* ein MEGA RIESENFRÜHSTÜCK an. So etwas haben wir in all den Jahren noch nie erlebt. Für uns Drei wurden auf 20 Tellern  allerlei lokale schmackhafte Spezialitäten serviert, dazu wurde noch das übliche wie Pancake, Ei, Toast, Cornflakes und Kaffee gereicht. Für dieses kulinarische Geschmackserlebnis sollte man genug Appetit mitbringen.

Spannende Tage im Bago Yoma Elephant Camp

Dr. Chan Aye, der Besitzer des Myanmar Beauty Guesthouse, bietet für seine Gäste auch Ausflüge an, u.a. einen Zweitagesausflug inkl. Übernachtung ins Bago Yoma Elephant Camp. Das ist kein typisches „Tourist trifft auf Elefant Camp“, hier spielen die Elefanten kein Fußball oder malen bunte Blumenbilder. Auch das oftmals beliebte Elefantenreiten steht hier nicht auf dem Programm.

Das Besondere an dem Camp ist: Hier sind die Dickhäuter als Arbeitstiere im Einsatz. Zusammen mit den Mahouts und deren Familien sorgen die Elefanten für die Herstellung der im ganzen Land genutzten Holzkohle und deren Transport aus den dichten Wäldern in die nahe gelegenen Dörfer.

Bild Elefantencamp Myanmar Yangon Toungoo

Säckeweise wird die Holzkohle abtransportiert.

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Nun geht es ins nächste Dorf, was nach ca. einer Stunde erreicht sein wird.

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Im Hintergrund wird das Holz so stark erhitzt, bis alle Verunreinigungen aus dem Holz entwichen sind und nur die Holzkohle übrig bleibt.

Als Gast durften wir zwei Tage im Wald-Camp die arbeitsreiche Alltagssituation der Elefanten zusammen mit einheimischen Familien erleben.

Dr. Chan Aye, der alle Genehmigungen für den Besuch organisierte, stellte uns zwei Guides und einen Van zur Verfügung, der uns nach ca. zwei Stunden Fahrt und einem Zwischenstopp auf einem Markt  in ein Bergdorf brachte. Nach einer Mittagsstärkung begann unser Spaziergang oder auch Marsch ins Bago Yoma Elephant Camp. Bergauf, bergab bis wir einen schattigen Flusslauf erreichten, durch den wir ca 1 Stunde bis zum Camp wateten. Für solche Touren haben wir stets die Manduka dabei. Lenn bevorzugt diese Art des Tragens auch mit drei Jahren noch. Für seine langen Beine haben wir aus Gurten zwei Fußschlaufen geschaffen, so das er bequem sitzen kann.

Elefantencamp Myanmar Yangon Toungoo

Am Ziel angekommen begrüßten uns lautstark im Wasser spielende Kinder. Als sie unseren Sohnemann entdeckten war die Freude noch größer. Lenn wurde sofort in die Gruppe aufgenommen. Eins der Kinder, etwas älter als Lenn, spielte während unseres Aufenthaltes den großen Bruder. Er half ihm, wo er nur konnte. Für Lenn war das Camp ein riesiger Abenteuerspielplatz, wo er mit anderen Kindern herumtoben, im Wasser planschen, Feuerholz suchen, klettern, sich schmutzig machen, am Lagerfeuer sitzen und unter freiem Himmel schlafen konnte.

Hintergründe zum Elefantencamp in Myanmar

Die Elefanten leben direkt mit im Camp, welches übrigens aus sieben nach vorn hin offenen Bambushütten auf einem Hang besteht. Toiletten, Strom, Dusche sucht man hier vergebens, dafür gibt es Natur pur, einen Sternenhimmel und die besten Urwaldklänge zum Einschlafen.

Neben den Dickhäutern wohnen hier auch Hühner und kleine Schweinchen. Letztere müssen auch mal als Kuscheltierersatz für die Kinder herhalten.

Bild Elefantencamp Myanmar Yangon Toungoo

Das Camp.

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Unsere Outdoorübernachtungsstelle.

Bild Elefantencamp Myanmar Yangon Toungoo

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Beste Freunde.

Die Männer, die hier im Camp leben sind für die staatlich kontrollierte Holzkohlegewinnung zuständig. Dazu wird Ihnen lebenslänglich ein Elefant zur Verfügung gestellt, für dessen Pflege und Wohlsein sie verantwortlich sind. Die Elefanten sorgen für den schweren Transport der Holzkohle in die umliegenden Dörfer. Außerdem räumen die starken Waldarbeiter riesige Baumstämme aus dem Weg oder ziehen diese kilometerweit durch den Wald zur Weiterverarbeitunsgsstelle. Hier wäscht eine Hand die andere bzw. hier wäscht der Mahout auch den Elefant. An dem Tag durften wir natürlich das Reinigungsprogramm übernehmen.

Bild Elefantencamp Myanmar Yangon Toungoo

Auch ein Elefant muss gewaschen werden.

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Abends werden die Elefanten von den Fußketten befreit und streifen frei nach Nahrung suchend durch die Wälder. Von den lauten Knackgeräuschen wacht man schon mal auf. Kurz vor Arbeitsbeginn hat die Schlemmerei am nächsten Vormittag ein Ende. Dann macht sich der Mahout auf den Weg, seinen Elefanten wieder ins Camp zurück zu holen. Die Glocken am Hals verraten den Aufenthaltsort. Wir dürfen direkt nach der Kaltwasser-Katzenwäsche im Fluss mit auf Suche gehen. Was für ein Spaß.

Den ersten Elefanten fanden wir nach ca. 20 Minuten und freuten uns wie die kleinen Kinder. So ein Anblick in freier Wildbahn ist immer wieder beeindruckend. Doch es war nicht „unser“ Elefant. Nein „unserer“ war schlauer und ließ sich erst nach geschlagenen zwei Stunden Marsch und Bergklettern finden. Der noch immer hungrige Geselle bahnte sich seinen Weg durch extrem dichtes Bambusgehölz, das unter ihm wie Zahnstocher zerbrach.

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Mitten auf einer Anhöhe im Wald war es auch für den Mahout schwierig, einen begehbaren Weg zurück zum Fluss zu finden. Mit Schnalzlauten gab er dem Dickhäuter die Anweisung einen Weg zu finden. Ich staunte nicht schlecht als sich der Elefant als brauchbares Urwald-Navi erwies. Letztendlich brachte uns dieser auf den richtigen Pfad.

Papa Ralf war mit Lenn auf halbem Weg zurück gegangen und genossen schon mal ihr Frühstück, natürlich aus frisch geschnitzten Bambusbechern.

Am Nachmittag bewiesen die Dickhäuter vor unseren Augen ihr Können. Mit einer Leichtigkeit nahmen sie dicke Baumstämme zwischen Rüssel und Stoßzähnen auf, um diese aus dem Flussbett zu tragen. Das Aufräumen war für die Großen ein Kinderspiel und versetzte die Kleinen in ungläubiges Staunen.

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Und noch immer leuchten unsere Augen, wenn wir an dieses Camp denken. Das war ein unvergessliches Abenteuer, was jeden von uns auf seine Art berührt hat und in ewiger Erinnerung bleibt.

Wer Interesse an solch einem Abenteuer hat, nimmt am besten Kontakt mit dem Myanmar Beauty Guesthouse auf. Dr. Chan Aye spricht hervorragendes Englisch und bietet verschiedene Mehrtagesausflüge in diese Gegend an. Das Preisniveau ist typisch für Myanmar, eher hoch. Für Erwachsene kostet der Trip 240,-$, für Kinder die Hälfte. Und je mehr Teilnehmer, desto günstiger wird es. Einige Dollar davon kommen auch den Familien mit Kindern im Dorf zu Gute, die sehr nah am Existenzminimum leben.

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Liebe Grit, herzlichen Dank für diese wunderbare Schilderung über dieses einzigartige Erlebnis. Da könnten wir uns direkt nochmal auf den Weg nach Myanmar machen. Wer mehr über unsere Rundreise mit Kind in Myanmar erfahren möchte, findet den Start unseres Abenteuers dazu hier.

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