7 Gründe, warum uns Taiwan nicht gefallen hat

„Wieso gibt es denn noch keinen Taiwan-Bericht auf eurer Seite?“ – diese Frage haben wir in den letzten Monaten schon öfters gehört und heute wird es Zeit sie zu beantworten. Warum wir zu Taiwan kein richtiges Verhältnis aufbauen konnten und einfach mit dem Land nicht warm geworden sind, erzählen wir in diesem Artikel.

Erster Zwischenstopp in Taiwan

Im letzten Jahr ging es für uns auf große Auszeit nach Neuseeland. Die Flüge dorthin hatten wir mit China Airlines gebucht. Der Ruf von dieser Fluggesellschaft aus Taiwan ist sehr gut und sie bieten komfortable, serviceorientierte Flüge. Wir waren überaus zufrieden und empfehlen die Airline gern weiter. Aber Achtung: nicht verwechseln mit Air China. Diese chinesische Fluglinie wird im Netz eher schlecht bewertet.

Da wir auf unserer Hinreise einen 18-stündigen Zwischenstopp in Taipeh hatten, nutzten wir diesen um an einer der kostenlosen vierstündigen Stadtrundfahren teilzunehmen. Die Tour war gut, wenn auch etwas hektisch, aber wir fanden es interessant und freuten uns auf unseren zehntägigen Zwischenstopp auf der Rückreise.

Taipeh Sightseeing

Stopp während unserer Sightseeing Tour.

Taipeh Sightseeing

In Taiwan gibt es sehr schöne Tempel.

10 Tage in Taiwan reisen

Nachdem wir etwa sechs phantastische Wochen in Neuseeland hatten, ging es zurück nach Deutschland. Aber vorher stoppten wir für zehn Tage in Taiwan um einen entspannten Strandurlaub zu machen und abschließend etwas Großstadtflair zu bekommen.

Kaum angekommen, ging es vom Flughafen in Taipeh mit dem Schnellzug in den Süden und von dort weiter bis an die südlichste Spitze nach Kenting für eine Woche. Danach fuhren wir zurück in den Norden und verbrachten die letzten Tage vor der Rückreise in Taipeh.

Unsere ausführlichen Reiseberichte dazu werde ich hier verlinken. Dieser Artikel soll dazu eher dienen um uns selbst klar zu werden, wieso uns Taiwan nicht gefiel und dir eine Idee zu geben, wie wir das selbsternannte Herz von Asien empfunden haben.

Grund 1) Es graut so grau

Auf der Fahrt mit dem Schnellzug durchs die Westküste des Landes sahen wir vor allem eines: grau. Taiwan ist verhältnismäßig klein und die Ostküste ist wild, mit Steilküsten, Bergen und viel Natur, daher hat sich die Bevölkerung größtenteils im Westen angesiedelt. Die Städte hier sind so groß, dass sie teilweise ineinander übergehen und wir meist nicht merkten, wann wir von einer Stadt in die nächste kamen.

Dazu sahen wir so viel Beton und Smog, irgendwie hatten wir das Gefühl auf der etwa dreistündigen Fahrt nur grau zu sehen. Irgendwie trostlos.

Bei unser anschließenden Autofahrt durch Kaohsiung wurde es nicht besser, Plattenbauten und so unglaublich viel Beton. Nachdem wir die Stadt dann hinter uns gelassen hatten, wurde es besser, denn wir näherten uns den Bergen und dem Kenting National Park. Hier gab es auch mal etwas grün und das Türkis des Meeres ist superschön.

Trotzdem ist unsere Erinnerung eher grau und trist. Schade eigentlich. Aber um Taiwans Ehre zu retten, wir waren nicht an der Ostküste, wo es grüner und natürlicher sein soll. Falls Du also auf die Insel möchtest und auf traurigen Großstadtflair verzichten kannst, dann fahre lieber in den Osten oder die Berge. Und hinterlasse uns einen Kommentar, wie es dir dort gefallen hat.

Grund 2) Schleichen auf leeren Straßen

Bevor wir in Taiwan mit dem Mietwagen starteten, informierten wir uns die Verkehrsregeln: Auf der Autobahn max. 110 km/h, Innerorts 60 km/h und auf Landstraßen 80 km/h. Daran hielten wir uns natürlich. Nur: es war soooo langweilig. Auf all unseren Fahrten zwischen Kaohsiung, Kenting und in die zahlreichen Orte dazwischen hatten wir die meist vierspurigen Straßen für uns allein.

Taiwan Straßen

Auf dem Weg nach Kenting.

Versteh uns nicht falsch, wir beschweren uns nicht, dass wir nicht im Stau standen oder das wir nicht so schnell wie in Deutschland unterwegs waren. Hey, wir kamen gerade aus Neuseeland, wo wir aufgrund der Straßenverhältnisse meist eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 50 km/h hatten. Von daher waren wir das gemächliche Tempo gewohnt.

Aber wenn du auf einer breiten, sehr gut ausgebauten, gesicherten und einsehbaren Straße nur 80 fahren darfst, wirkt es einfach langsam. Also schlichen wir, zumindest fühlte es sich an wie schleichen, durch die Lande und fanden es ziemlich langweilig. Übrigens: Das Geschwindigkeitslimit zu überschreiten ist auch nicht empfehlenswert, weil es sehr viele Blitzer gibt.

Taiwan straßen Big Mango

So sieht die Straße nach Kenting aus. Breit und leer. Rechts siehst du „The big mango“. In Neuseeland wäre das eine Sehenswürdigkeit.

Grund 3) Wenn der Nachtmarkt zum Franchise Unternehmen wird

Wir lieben Asiens Nachtmärkte! Wo sonst kann man so ins Leben der Bevölkerung eintauchen, neue Dinge entdecken und einfach mittendrin sein?

Von daher freuten wir uns sehr auf den bekannten Nachtmarkt von Kenting. Und der ist auch wirklich ganz schön. Er ist über einen Kilometer lang und bietet Nacht für Nacht interessante Speisen aus Taiwan.

Kenting Nachtmarkt

Auf dem Nachtmarkt.

Nachdem wir den ganzen Nachtmarkt hinuntergeschlendert waren, fiel uns auf, dass es viele Stände mehrmals gab. Immer mit demselben Logo und derselben Werbung. Um es mal ganz platt auszudrücken, sah es so aus, als gäbe es verschiedene Franchiseunternehmen auf dem Nachtmarkt. Würde man diese aussortieren, hätte sich der Markt vermutlich halbiert.

Kenting Nachtmarkt

Das sind Milchspiesse, diese werde in Teig getaucht und fritiert. Schmeckt überraschend gut und gab es bestimmt an fünf Franchise-Ständen.

Das war irgendwie schade und enttäuschend. Am zweiten Abend wußten wir bereits, dass es sich nicht lohnt den ganzen Markt hinunterzulaufen, weil sich die Stände wiederholen.

Trotzdem war der Kenting Night Market nicht schlecht. Es gab viele interessante Sachen zum Testen und wir fanden immer etwas zu essen. Aber es wirkte halt nicht real, sondern irgendwie künstlich.

Kenting Nachtmarkt

Dieses Eis sah lecker aus, schmeckte wässrig mit einem Hauch alter Butter. Aber optisch macht es wirklich was her.

Ach ja: Als wir auf einem Nachtmarkt in Taipeh waren, wiederholten sich die Stände nicht. Vielleicht war dieser authentischer oder weniger auf Touristen ausgerichtet? Wir wissen es nicht.

Taipeh Nachtmarkt

Der Nachtmarkt in Taipeh war interessanter und abwechslungsreicher als in Kenting.

Grund 4) Wo kann man denn hier chinesisch essen?

Apropos Essen. Wir aßen oft auf dem Markt, aber nicht nur, weil wir nichts anderes wollten. Sondern eigentlich eher, weil wir Probleme hatten Restaurants zu finden, die chinesisch servierten. Auf unserem zehntägigen Trip waren wir genau einmal im Asia-Restaurant essen und das war wirklich lecker.

Ansonsten sah es dürftig aus. In verschiedenen Berichten im Netz hatten wir vorher schon von den Problemen gelesen Restaurants zu finden und uns ging es ähnlich. Entweder verstanden wir die Schilder nicht und erkannten die Lokalität gar nicht (95% der Fälle) oder sie waren geschlossen.

Das war irgendwie eine frustrierende Erfahrung.

Übrigens: Zum Frühstück gab es bei uns entweder abgepackte Kuchen oder Fertigfutter vom 7-11. Letzteres ist zu empfehlen, es wird sogar warm gemacht und schmeckt meist sehr gut. Man muss nur Lust auf Pasta, Reis & Co zum Frühstück haben.

Grund 5) Heiß, heißer, Taiwan

Taiwan war das Krasseste, was wir je an Hitze erlebt haben. Am Tag 37°C im Schatten, über 40° in der Sonne. Und nachts waren es auch selten weniger als 30°C.

Wir wussten, dass der Mai ein heisser Monat in Taiwan ist mit Temperaturen um die 30°C. Diese steigen bis zum Juli auf etwa 37°C.  Nun waren wir Mitte Mai dort und es war soooo heiss. Es war unfassbar heiss. Die 37°C haben wir locker erreicht. Ich glaube, ich habe bisher nur einen vergleichbar heissen Tag erlebt und das war Neujahr 2006 in Sydney mit über 40°C. Das fühlt sich übrigens so an, als würde man sein Gesicht direkt in den Haarfön halten.

Taipeh Sightseeing Chiang Shek Memorial Hall

Aufgrund der Hitze haben wir in Taipeh nur eine Tour mit dem Hop on-Hop off-Bus gemacht. Daher haben wr die beeindruckende Chiang Shek Memorial Hall auch nur vom Weiten gesehen.

Während unseres Taiwan-Urlaubs waren es jeden Tag über 35°C im Schatten. Durch unsere zahlreichen Asien-Urlaube sind wir hohe Temperaturen gewohnt, wir lieben das schwül-heisse Wetter in Thailands Regenzeit und haben normalerweise keine Probleme mit solchen Temperaturen. Aber Taiwan war anders. Es war so heiss, ich kann es nicht in Worte fassen. Wenn wir mal draußen herumliefen, dann tatsächlich nur mit einem Regenschirm als Sonnenschutz und ansonsten versuchten wir uns in klimatisierten Räumen aufzuhalten, wie den unterirrdischen Einkaufszentren in Taipeh.

Hengchun sightseeing

Sightseeing in Hengchun. Tatsächlich hatten wir einen Regenschirm als Schattenspender mit. Ohne war es für uns gar nicht zu ertragen.

Taipeh Shopping center bahnhof Hauptbahnhof

Unterirrdische Einkaufszentren mit Klimaanlage. Eine super Erfindung!

Taipei water park zhongzheng

Unser Lieblingsplatz in Taipeh: Der Taipei Water Park. Das Wasser ist zwar nicht mal hüfttief, aber es war eine willkommene Abkühlung.

Aquarium Checheng

Hier gefiel es uns sehr gut: das Aquarium in Checheng war toll und es gab diese Badestellen. Ich habe mich mit voller Bekleidung reingestellt um etwas abzukühlen.

Aber die beste Alternative ist immernoch ein erfrischendes Bad im Meer, oder? Jahahahaha. Das haben wir uns auch gedacht.

Grund 6) Strandurlaub auf Umwegen

Unser Hauptgrund in Taiwan zu stoppen, waren die wunderschönen Strände, die das Land bietet. Diese befinden sich in erster Linie an der Ostküste und im Süden.

Wie schon erwähnt ist der Osten aber eher wild, die Strände sind oft nicht zu erreichen oder haben soviel Strömung, dass schwimmen nicht erlaubt ist. Daher haben wir uns den Süden für unseren geplanten, relaxten Strandurlaub ausgesucht. Hier gibt es viele, breite Strände, türkises Meer, eigentlich alles, was man sich wünscht. Haben wir zumindest gedacht.

Wir hatten uns ein schönes Zimmer in Kenting mit Ausblick auf eben jenes Traummeer gebucht. Direkt vor der Tür ein traumhafter Strand. Aber man durften wir nicht baden. Warum wussten wir nicht, vielleicht aus Gründen des Naturschutzes oder weil es eine starke Strömung gibt? Etwa 500m weiter Richtung Westen stand ein großes, teures Hotel, dort war baden erlaubt. Keine Ahnung wieso, wir haben es nicht dorthin geschafft. Einmal versuchten wir hinzulaufen, aber der Weg ist in der brennenden Hitze und auf so heißem Sand echt lang und wir brachen unseren Marsch nach 200m ab. Unser Füße in Sandalen wollten einfach nicht mehr gekocht werden.

Kenting National Park Strand

Ausblick aus unserem Zimmer auf den traumhaften Strand von Kenting. Leider war das Baden nicht erlaubt.

Kenting National Park Strand

Auch aus der Nähe betrachtet war unser Strand sehr schön. Aber die rote Flagge sagt: „Schwimmen nicht erlaubt.“ Die Frau vorn im Bild hat es trotzdem probiert, es wurde sehr schnell tief und die Strömung sah stark aus. Im Hintergrund siehst du ein paar Menschen am Strand. Diese wohnten im Luxushotel und durften baden.

Stattdessen fuhren wir zu verschiedenen Stränden im Umkreis von 10km. Was wir vorher  nicht wussten, baden im Nationalpark Kenting ist grundsätzlich nicht erlaubt, was traurig ist, denn es gibt viele schöne Strände. Westwärts fanden wir einen Strand an der South Bay Recreation Area. Der Sand ist weich, der Strand ist breit, das Wasser sieht gut aus. Im Hintergrund steht in etwa 500 m Entfernung mehr oder minder dekorativ das Maanshan Nuclear Power Plant, genau, ein Atomkraftwerk. Aber das war in erster Linie ein optisches Problem.

Kenting National Park Strand

Einer der schönen Strände im Kenting National Park. Leider ist es nicht erlaubt ihn zu betreten (man beachte den Zaun im Vordergrund).

Erstes echtes Problem war wieder die Hitze, die ca. 50 m über den heissen Sand in Badelatschen waren hart. Zweites Problem: ohne Sonnenschirm ist es nicht zu ertragen sich in der prallen Sonne aufzuhalten. Glücklicherweise gibt es viele Sonnenschirmvermieter, die sehr große Schirme mit einem Haufen Plastikstühle für umgerechnet 10,-€ am Tag vermieten.

Kenting National Park South Bay Recreation Area Beach Strand

Das war der Strand an dem wir badeten. Zu unserer rechten (nicht im Bild) ist das Atomkraftwerk. Das Wasser sieht ruhig aus, aber der Eindruck täuscht.

Aber mit den beiden Dingen konnten wir umgehen, richtig doof fanden wir, dass das Wasser sehr schnell sehr tief wird und es eine richtig starke Strömung gibt. Es war nicht möglich Karl alleine ins Wasser zu lassen und auch wir Erwachsenen mussten gegen das Wasser kämpfen, besonders wenn wir rein- und rausgingen. Das brachte nur wenig Spaß und war an allen Stränden, die wir testeten, dasselbe.

Positiv war, dass das Wasser eine echte Abkühlung war und es war sehr sauber. Aber als Badeurlaub für Familien ist zumindest die Gegend um Kenting nicht zu empfehlen.

Grund 7) Das Gefühl im deutschen Asien zu sein

Unser siebter und somit letzter Grund, weshalb wir uns in Taiwan nie richtig wohl gefühlt haben, ist für uns am Schwersten zu beschreiben. Um es kurz zu sagen: Wir fühlten uns dort, als würden wir in Deutschland sein, nur wärmer und einen Hauch asiatischer.

Das lag einerseits daran, dass Taiwan sehr aufgeräumt und kontrolliert ist. Sogar viel stärker als Deutschland.  Alles scheint perfekt aufeinander abgestimmt. Am Bahnhof wird man frühstens aufs Gleis (oder hinter die Schranke) gelassen, wenn der Zug in der nächsten Stunde abfährt. Als wir mit dem Schnellzug in den Süden wollten, waren wir etwas früher dort und wollten einfach in kühlerem Gefilde (die Hitze, du erinnerst dich vermutlich) warten. Aber wir durften nicht, das Ticket zum Durchlassen funktionierte erst eine Stunde früher. Also warteten wir vor der Schranke.

Irgendwann war es dann soweit. Wir setzten uns auf eine Bank und Karl hatte Hunger. Er bekam ein Brötchen von uns und keine zehn Sekunden später stand ein Aufseher neben uns, der uns klar machte, dass Essen im Bahnhof nicht erlaubt ist. Auch bei Kindern gibt es keine Ausnahme. Einerseits verstehe ich dies, andererseits ist ein Bahnhof doch ein Platz voller Leben und gleichzeitig ein Ort, wo man viel Zeit verbringt und wartet. Dabei Hunger zu bekommen und zu essen ist nicht so unüblich, oder?

Witzigerweise durften wir im Schnellzug essen. Was man dort nicht darf, ist Krach machen. Karl schaute einen Kindersendung auf dem Handy und hatte es auf vielleicht 20% Lautstärke. Wir versuchen immer möglichst keine anderen Leute zu stören. Kurze Zeit später stand ein Schaffner bei uns und sagte, dass Krach nicht erlaubt ist und das wir den Ton ausmachen sollen. Das taten wir natürlich und ja, ich verstehe, dass Geräusche im Zug stören, aber es war weder ein Ruhebereich noch war das Geräusch sehr laut. Wenn man eine Reihe hinter unserem Sitz stand, war es schon fast nicht mehr zu hören. Ach ja, telefonieren war wiederrum erlaubt 😉

Insgesamt ist der Schnellzug top organisiert. Pünktlich auf Minute fährt er ein. Kommt er an seine Endstation, läuft jemand durch den Zug, sammelt den (eigentlich nicht vorhandenen) Müll ein und dreht alle Sitzbänke in die neue Fahrtrichtung. Die Klimaanlage funktioniert auch. Wenn ich mir das so durch den Kopf gehen lasse… dann ist Taiwan noch eine Nummer strenger und fünf Mal besser organisiert als Deutschland. Oder bist du schon mal pünktlich mit dem ICE 500 km in drei Stunden gefahren, bei fast 40° Außentemperatur und funktionierender Klimaanlage? Und es gab für jeden feste Sitzplätze. Plus kostete das Ganze etwa 90,-€ für drei Personen. Karl hätte auch ohne eigenem Platz mitfahren können, aber mit fünf Jahren ist das für uns nur noch wenig praktikabel und wir investieren gern in einen Sitzplatz mehr.

HSR Zug Taiwan

Im Schnellzug nach Kenting. Der Sitzabstand ist phänomenal, die Klimatisierung toll und insgesamt war es ein hervorragendes Fahrerlebnis.

Nun wollen wir aber nicht meckern, dass Taiwan organisierter und teilweise strenger als Deutschland ist. Denn das ist eigentlich gar nicht unser Hauptpunkt. Unser größter Kritikpunkt ist die Mentalität vieler Taiwanesen.

Wenn wir von Reisen wiederkommen, sind wir oft geplättet über die Unfreundlichkeit oder auch nur die unfreundlichen Gesichter, die uns in Deutschland über den Weg laufen. Finster drein gucken ist eine deutsche Spezialität. Aber Achtung! Taiwan versucht uns dort Konkurrenz zu machen. Kaum zu glauben, oder?

Egal wo wir hinkamen, unser Lächeln wurde zu 99% nie erwidert. Wenn wir grüßten, zum Beispiel beim Betreten von Geschäften, wurde es nicht erwidert. Selbst auf Karl wurde nicht reagiert. Während in Neuseeland Karl immer mit einem Lächeln begrüßt wurde und sogar in Deutschland viele Menschen wohlwollend auf Kinder reagieren, passierte in Taiwan nichts.

Kleines Beispiel gefällig? Als wir nach einem Fußmarsch in der sengenden Hitze mit vollem Gepäck in die Autovermietung kamen, wurden wir angeguckt und dann (ohne Begrüßung oder den Hauch Freundlichkeit) angeblafft, dass es nur ein Auto gibt, wenn man eine Reservierung hat. Nun die hatten wir natürlich und vermutlich hätten die Mitarbeiter das wissen sollen, denn soooo viele Europäer rennen da nun auch nicht zur angegebenen Zeit ins Geschäft. Zumindest waren wir die einzigen Kunden in der halben Stunde, wo wir dort waren. Auch dort gab es keine Reaktion, die auf irgendeine Art Symphatie oder Freundlichkeit ausdrückte.

So ging es eigentlich nur. Es war sehr frustrierend. Wenn wir genau sind, fanden wir die Taiwanesen sogar unfreundlicher als die Deutschen. Wir fühlten uns fast nie willkommen. Ausnahme: In unserem Hotel waren die Rezeptionsangestellten sehr süß und hilfsbereit. Und in Taipeh waren die Menschen auch offener. Am ersten Abend holten wir uns Burger von „The Freen Burger“ direkt im Hauptbahnhof von Taipeh. Die Burger waren lecker und zu Hause stellten wir fest, dass die Mitarbeiterin auf die Tüte neben unserer Bestellnummer auch „Welcome to TW“ geschrieben hatte. Das fanden wir richtig süß und versöhnte uns ein wenig mit den grummeligen Menschen von Taiwan.

freen burger taipeh

Über diese nette Begrüßung freuen wir uns heute noch. Und die Burger waren auch super!

Insgesamt war Taiwan für uns eine Enttäuschung. Wir hatten hohe Erwartungen, zumal dieses asiatische Land zu den unentdeckteren Urlaubsländern westlicher Touristen gehört und wir gespannt waren auf unbekannten Terrain unterwegs zu sein. Vielleicht waren unsere Erwartungen zu hoch? Wir hatten vorher viel gelesen und das Gefühl es könnte ein Land für uns sein. Aber irgendwie passte es nicht. Wobei wir sagen müssen, dass wir mit den meisten Kritikpunkten hätten vielleicht noch umgehen können, aber dieses Nicht-Willkommen-Gefühl hat uns unsere Entspanntheit genommen.

Trotzdem wollen wir dir nicht von Taiwan abraten. Es gibt dort schöne Ecken, es gibt auch nette Menschen, man muss sie nur suchen. Vielleicht hätten wir Taiwan auch anders wahrgenommen, wenn wir vorher nicht im wunderschönen, überaus freundlichen Neuseeland waren? Wir können es nicht beurteilen, aber so wie geschrieben waren nun mal unsere Gefühle und das wollen wir auch nicht anders darstellen.

Warst du schon mal in Taiwan? Wie waren deine Erfahrungen? Wir freuen uns auf deinen Kommentar.

10 Tage in Taiwan reisen - Unsere Stopps in Kenting und Taipeh, unsere Erfahrungen in Taiwan. Alles zu unserer Rundreise durch Taiwan mit Kind. #reisenmitkind #taiwan #taiwanmitkind #taiwanreisen #taiwanrundreise

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6 Kommentare zu “7 Gründe, warum uns Taiwan nicht gefallen hat
  1. Jenny

    Wie spannend! Endlich mal ein Reisebericht, der es wagt, auch schlechte Erlebnisse anzusprechen und eben nicht vom Traumurlaub zu schwärmen 😉
    Ich bin gespannt auf die Reaktionen! Über Vietnam habe ich 2012 einen ganz ähnlichen Bericht geschrieben und bekomme darauf noch heute je zur Hälfte begeisterte Zustimmung und wütende Ablehnung …

    Liebe Grüße
    Jenny

    1. Nina Autor des Beitrags

      Hi Jenny, danke für Deinen Kommentar. Ich bin auch gespannt. Taiwan Fans werden wahrscheinlich ihr Land verteidigen, was sie auch gern sollen. Uns hat es halt irgendwie nicht gefallen. Vielleicht war es nur die falsche Reise zu dem Zeitpunkt? Aber ich fand es wichtig diesen Artikel zu schreiben, denn wir wurden schon öfters angesprochen, wie es uns gefallen hat. Nun haben wir ausführlich Stellung bezogen. Trotzdem ist es nur unsere Meinung, wenn es jemand anders erlebt hat und sich dort wohl fühlt, freut uns das sehr. Viele Grüße, Nina

  2. Tanja

    Liebe Nina,

    vielen Dank für die authentischen Einblick in eure Reiseerlebnisse. Die Fotos sehen wirklich einladend aus, schade, dass ihr so blöde Erfahrungen machen musstet. Besonders das mit den Traumstränden finde ich sehr traurig. Wie erklärt man das dem Kind? Vor allem, wenn es keine weiteren Erklärungen gibt, warum das Schwimmen oder Betreten des Strandes verboten ist, finde ich komisch.

    Ich finde es super, dass ihr auch über eure negativen Erfahrungen / Erlebnisse schreibt. Ich finde das sehr authentisch. Leider gibt es so etwas viel zu selten und wenn wir es gleich zerrissen. Besonders wenn man wie ihr, bereits viel in Asien herumgereist seid, ist die geteilte Erfahrung wirklich interessant zu lesen. Auf dass die nächsten Reiseziele euren Erwartungen entsprechen werden!

    Liebe Grüße,
    Tanja

  3. Ulrike Hecker

    Interessanter Bericht! Dass Euch das chinesische Frühstück nicht schmeckt, kann ich nachvollziehen. Aber es ist einfach normal, dass es in Taiwan chinesisches Frühstück gibt. Genauso wie es normal ist, dass man in einem Naturschutzgebiet nicht baden kann.
    Ihr kamt nach einem tollen Urlaub in Neuseeland nach Taiwan und habt das miteinander verglichen. Vielleicht ist das das Problem. Erwartungen und Realität stimmten nicht überein.
    Ich habe außerdem die Taiwaner bislang nur sehr freundlich erlebt. Schade, dass Ihr und Euer Kind nicht im Mittelpunkt ihres Interesses standet!
    Vielleicht solltet Ihr das nächste Mal nur nac Taiwan reisen und versuchen, nicht so viel zu vergleichen.
    LG
    Ulrike

    1. Nina Autor des Beitrags

      Hallo Ulrike,

      vielen Dank für Deinen Kommentar.

      Du hast natürlich recht, es ist normal, dass in Taiwan taiwanesisches Frühstück gibt. Damit haben wir auch kein Problem, in Thailand essen wir auch Nudelsuppe zum Frühstück 😉 Blöd war eher, dass wir gar keine Lokale gefunden haben, in denen man irgendwas frühstücken konnte. Daher sind wir auf den 7-11 ausgewichen.

      Bei dem Naturschutzgebiet muss ich dir widersprechen. Kenting ist ein Nationalpark, kein Naturschutzgebiet und ich kann mich an kein Naturschutzgebiet erinnern, in dem wir nicht baden durften. Angefangen in Deutschland im Nationalpark Deutsches Wattenmeer, in Neuseeland in diversen Nationalparks oder auch in Amerika und Kanada. Von daher war es tatsächlich für uns eine Überraschung mit der wir nicht gerechnet hatten.

      Das wir in Taiwan nicht „im Mittelpunkt des Interesses“ standen, hat uns gut gefallen, denn das wollen wir gar nicht. Was wir angesprochen haben, ist dass einfach keine Reaktionen kamen, die auf jegliche Freundlichkeit schließen lassen. Wenn wir zum Beispiel in ein Geschäft gehen, grüßen, freundlich nicken, lächeln, vielleicht alles gleichzeitig und zwar in Richtung des Personals, dann finde ich es schon unfreundlich, wenn gar nicht reagiert wird. So als ob wir gar nicht da wären. So ging es auch auf dem Nachtmarkt oder im Restaurant. Wir haben gegrüßt, wurden entweder angeguckt bis wir sagten, was wir wollen, oder wir bekamen die Karte, ohne einen Ton zu sagen, hingelegt. Es mag sein, dass die Leute kein englisch sprachen, aber ein Nicken oder Lächeln ist schon eindeutig. Sowas fehlte uns aber völlig, bzw. kann ich an einer Hand abzählen, wo es erwidert wurde.

      Vermutlich hast du recht, wir vergleichen mit Neuseeland. Einem Land, in dem die Menschen unglaublich freundlich und offen sind. Allerdings ist mir solch ein Verhalten auf all meinen Reisen, und ich war in ca. 30 Ländern, noch nie in dem Ausmaß passiert. Unfreundliche Menschen gibt es immer mal. Aber das man die Freundlichen suchen muss, habe ich bisher noch nicht erlebt.

      Wenn es uns aber mal wieder nach Taiwan treibt, z.B.als Stopover mit China Airlines, werden wir dem Land aber wieder eine Chance geben.

      Viele Grüße, Nina

      1. Angela

        Liebe Nina,
        Das sind ja wirklich doofe Erlebnisse. Mit Kindern im Zug keinen Krach zu machen und nicht überall essen zu dürfen, ist tatsächlich eine ziemliche Herausforderung. Und manchmal ist es so, wenn man aus einem superfreundlichen Land in ein anderes kommt. Du kennst ja meine Erlebnisse in Panama. Dafür freut man sich dann umso mehr über die netten Gesten – bei mir war es die Taxifahrerin, bei dir die Burger-Verkäuferin.
        Für mich wäre allerdings schon die Hitze allein Grund genug, einen Bogen um Taiwan zu machen. Bei 30 Grad hört der Spaß auf, drüber liege ich nur noch flach. Ach ja und dass Baden nicht erlaubt ist in Naturschutzgebieten und Nationalparks lese ich auch zum ersten Mal. Das gilt in Mittelamerika nicht und auch nicht in Deutschland oder anderen europäischen Ländern.
        Ich habe mich ja rückblickend mit Panama ausgesöhnt. Das Reisen dort barg seine Herausforderungen, aber das hat soviele schöne Seiten, dass ich ihm seine Macken nachsehe ;-).
        Liebe Grüße
        Angela

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