Schaukelige Abenteuer auf der Insel Inwa und die Entzauberung der U-Bein-Brücke

Am späten Nachmittag neigte sich unsere Marathon-Sightseeing-Tour dem Ende zu, aber zwei Höhepunkte warteten noch auf uns: die alte Hauptstadt des ehemaligen Königreichs Ava (eigentlich handelt es sich hierbei um eine Insel, die heute Inwa genannt wird) sowie die längste Teakholz-Brücke der Welt in Amarapura.

Die nächsten Stunden wurden wunderbar abwechslungsreich, aber gaben auch einen Ausblick auf die touristische Zukunft Myanmars.

Anreise nach Inwa

Nachdem wir eine schöne Zeit in Sagaing verbracht hatten, ließen wir wieder unseren Guide Mr. Pho entscheiden, was sehenswert ist. Er brachte uns zur Insel Inwa, einem kleinen Stück Land, das am Zusammenfluss der Flüsse Mjitnge und Irrawaddy liegt. Ein weiterer Kanal verbindet diese Flüsse und so ist Inwa zu einer Insel geworden. Wir hatten noch nie davon gehört, aber wir vertrauten Mr. Pho, denn er hatte bisher sehr schöne Ziele ausgesucht.

Die Fahrt ging zurück über die große Sagaing-Brücke und dann bogen wir rechts ab um ans Flussufer zu kommen. Eine mit Minibussen vollgeparkte Straße empfing uns. Als Zeichen des steigenden Tourismus in Myanmar war dies ein schlechtes Vorzeichen für unser Empfinden.

Zuerst gingen wir zum Anleger, wo zwei Boote abwechselnd Menschen über den Fluss brachten. Wir sprangen schnell noch auf das Boot, das gerade ablegen wollte, und setzten uns auf die Treppe. Die anderen Plätze waren bereits mit einer großen Reisegruppe mit vielen älteren, europäischen Touristen besetzt.

Boot legt am Anleger von Insel Inwa an

Unser Boot legt wieder ab.

Bootspassage zwischen Insel Inwa und Festland

Aussicht auf die Bootspassage. Es ist wirklich nur ein Katzensprung hinüber.

Nach einer sehr kurzen Überfahrt gingen wir an Land und waren erstmal platt. Vor uns befand sich eine breite, matschige Straße und soweit das Auge reichte standen dort Pferdekutschen. Wir wurden von mehreren Fahren angesprochen, alles wirkte sehr hektisch und durcheinander. Viele Pferde sahen sehr schwach aus und die Fahrer gingen zum Teil sehr ruppig mit den Tieren um, damit diese die Kutschen durch den sehr tiefen Matsch zogen. Uns gefiel das alles gar nicht und wir überlegten, was wir tun sollten.

Chaos bei den Pferdekutschen am Anleger.

Chaos bei den Pferdekutschen am Anleger.

Chaos bei den Pferdekutschen am Anleger.

Also liefen wir erstmal ein Stück weiter, bis es ein wenig ruhiger zuging und suchten uns einen Fahrer, dessen Pferd gesund aussah und der auch einen freundlichen Eindruck machte. Er stellte sich als schweigsam raus, aber das lag wohl eher an den fehlenden Englischkenntnissen als an seinem Gemüt.

So etwas passierte uns öfter in Myanmar. Taxifahrer sprachen kein Wort mit uns und wirkten teilweise sehr unfreundlich. Kaum waren wir am Ziel, waren sie auf einmal sehr offen, versuchten mit Karl zu spielen oder mit uns zu reden. Wir verstehen nicht, wieso das oft so war, aber wir sind für uns zu dem Schluss gekommen, dass es keine Unfreundlichkeit ist, sondern fehlende Englischkenntnisse und eine gewisse Scheu uns gegenüber.

Zurück zu den Kutschen auf Inwa. Diese waren anders als die Kutschen in Bagan. Es gab richtige Sitzbänke und die hintere Sitzbank war u-förmig. Dafür war der Schwerpunkt anders. Beim Aufsteigen neigte sich das ganze Konstrukt stark nach hinten. Aber es hielt und wir versuchten uns möglichst mittig zu setzen, um damit das Gewicht für das Pferd angenehm zu verteilen.

Kutschfahrt zum Bagaya Kloster

Und dann ging die wilde Fahrt los. Wir hatten ja keine Ahnung, was uns erwartete, aber wir genossen bereits die Aussicht aus der Kutsche. Hier und da gab es kleine Seen, an der Straßen standen Kühe und die Menschen gingen ihrem Leben nach. Es war toll anzusehen und so bekamen wir nochmal einen Einblick in das Leben der Burmesen auf dem Land.

Aussicht aus der Pferdekutsche bei Insel Inwa

Restaurant auf Inwa

Restaurant auf Inwa

Pferdekutsche auf idyllischer Straße

Irgendwann fuhren wir über einen Weg, der zwischen zwei großen Seen lag, die voll mit Seerosen waren. In der Ferne ragten ein paar Tempelspitzen empor. Es wäre sehr romantisch gewesen, wenn da nicht hunderte von anderen Kutschen gewesen wären, die alle auf die Rückkehr „ihrer“ Touristen warteten oder selbige gerade ausladen wollten. Unser Fahrer sagte uns, dass dort hinten unser Ziel sei: das Bagaya Kloster. Dieses Kloster war ähnlich wie das, welches wir in Mandalay gesehen hatten, da es auch aus dunklem Holz gebaut war. Allerdings wirkte es sehr heruntergekommen und auch die Umgebung war total zugewachsen.

Aussicht auf dem Weg zum Bagaya Kloster.

Aussicht auf dem Weg zum Bagaya Kloster.

Weg zum Bagaya Kloster

Der Weg zum ersten Ziel… erst sieht es noch schön verlassen aus, aber dann…

… kommt man ans Ende und wird von Touristenhorden überrascht.

Bagaya Kloster auf Insel Inwa

Das Bagaya Kloster mit den fleißigen Verkäuferinnen.

Bagaya Kloster auf Insel Inwa Bagaya Kloster auf Insel Inwa

Bagaya Kloster auf Insel Inwa

Wenn man sich vom Kloster entfernt, sieht man diesen Tempel. Der Weg dahin war leider zugewachsen und durchs Gestrüpp wollten wir wegen der Schlangen nicht laufen.

Wir fühlten uns nicht wohl, denn außer einem Haufen Touristen gab es dort nur viele Frauen, die versuchten uns ihre Produkte zu verkaufen. Dies mehr oder minder sehr aufdringlich. Sowas war uns bisher in Myanmar nicht passiert, denn selbst die Touristenshops in Mingun waren zurückhaltender.

Hier sieht man wieder, wie der Tourismus das Land verändert. Teilweise zum Vorteil, denn mehr Geld kann auch ein besseres Leben bringen, aber es kann das Land oder die Menschen auch zum Negativen verändern. Wir zumindest sind froh, dass wir Myanmar noch verhältnismäßig unberührt erleben konnten und können jedem nur empfehlen mit einer Reise dorthin nicht zu lange zu warten.

Eindrücke von der Insel Inwa

Nachdem wir unseren Kutschfahrer wiedergefunden hatten, schlug er uns vor noch einige andere Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Da wir noch Zeit hatten, willigten wir ein und ließen uns noch ein wenig mehr von Inwa zeigen. Was wir dann sahen, überraschte uns sehr positiv.

Straße auf Insel Inwa

Die Insel hat sehr idyllische Ecken.

Der Rest von Inwa wirkte unberührt und echt. Wir durchquerten die alte, sehr massive Stadtmauer und fuhren zum Namyim Wachturm. Dieser ist 27m hoch und wurde 1822 erbaut. Irgendwann zwischen damals und heute gab es ein großes Erdbeben und der Wachtum wurde stark beschädigt. Die Myanmare reparierten ihn, aber heute steht er ziemlich schief da.

Wachturm auf Insel Inwa

Das ist der Wachturm.

Infoschild beim Wachturm

Wachturm auf Insel Inwa

Von weitem sieht er gut erhalten aus.

Schiefe stützende Säule des Wachturms der Insel Inwa

Aber aus der Nähe sieht man, dass da wohl jemand die Wasserwaage vergessen hat.

Wir haben uns trotzdem hochgetraut. Die Treppe war abenteuerlich zusammengeflickt und uns war etwas mulmig zumute. Oben gab es eine Aussichtsplattform, von der wir einen schönen Blick über die Felder hatten. Wir schossen schnell ein paar Fotos und machten uns an den Abstieg, denn irgendwie waren uns die Reparaturarbeiten nicht geheuer.

Aussicht von Wachturm über Felder

Aussicht zur einen Seite des Turmes…

Aussicht von Wachturm über Felder

… und zur anderen Seite.

Unten standen ein paar Verkäufer, die Schnitzereien anboten und sich sehr über Karl freuten. Zwei schenkten ihm einen kleinen geschnitzten Stein-Elefanten, der heute noch auf seinem Regal in seinem Kinderzimmer steht. Diese Leute wiederum waren zurückhaltend, so dass wir uns auch gerne ihre Auslagen anschauten.

Unsere Fahrt führte uns weiter. Unterwegs sahen wir Bauern, die mit schwerem Gerät und Ochsen ihre Felder bestellten, viele verfallene Tempel und sogar noch ein paar größere Gebäude, die zu besichtigen waren. Aber wir waren mittlerweile recht müde von dem langen Tag und besichtigten nichts mehr.

Aussicht aus der Pferdekutsche bei Insel Inwa Aussicht aus der Pferdekutsche bei Insel Inwa Aussicht aus der Pferdekutsche bei Insel Inwa Aussicht aus der Pferdekutsche bei Insel Inwa

Tempel auf Insel InwaDie Kutsche brachte uns zurück zum Bootsanleger, von wo aus wir die Brücken vorm Sagaing Hill im Sonnenuntergang betrachten konnten. Kinder spielten im Wasser, Erwachsene wuschen sich am Fluss. Das ursprüngliche Leben schien mit der Abreise der Touristen wieder Einzug zu halten. Es war eine herrlich relaxte Stimmung.

Steg Insel Inwa

Am Abend kehrt wieder Ruhe auf der Insel ein. Die Leute gingen schwimmen oder wuschen sich am Flussufer, wie der Herr rechts.

Aussicht auf Tempel aus Boot zur Insel Inwa

Schöne Aussicht bei der Überfahrt.

Aussicht auf die Brücken nach Sagaing und den Sagaing Hill.

Aussicht auf die Brücken nach Sagaing und den Sagaing Hill.

Aussicht auf die Brücken nach Sagaing und den Sagaing Hill.

Und jetzt nochmal näher rangezoomt.

Sonnenuntergang vom Boot bei der Insel Inwa

 

Fazit: Die Insel Inwa hatte uns zuletzt doch überzeugt. Würden wir wieder hinfahren? Auf jeden Fall, aber dieses Mal mit mehr Zeit. Wir würden einen halben Tag einplanen, uns alle Sehenswürdigkeiten anschauen, in einem einheimischen Restaurant essen und alles auf uns wirken lassen.

U-Bein-Brücke bei Amarapura

Als wir bei Mr. Pho ankamen, sagte er uns, dass unsere letzte Station die berühmte U-Bein-Brücke bei Amarapura ist. Er meinte, das würde auf dem Weg liegen und daher willigten wir ein.

Diese Brücke ist mit 1,2km die längste Teakholzbrücke der Welt. Sie existiert bereits seit 1849 und man konnte dort wohl mal die wunderschönsten Sonnenuntergänge vom Boot aus genießen. Ja, ihr lest richtig „konnte“. Denn als wir dort ankamen, passierten wir unzählige Reisebusse und Taxis. Über die U-Bein-Brücke liefen nicht ein paar Einheimische, die Waren transportierten, oder Mönche. Nein, so weit das Auge reichte sahen wir nur Touristen. Das Wasser war voll mit Booten, die Brücke war total überlaufen.

U-Bein-Brücke

Sieht romantisch aus, oder? Dann schaut mal genauer hin, oder zoomt etwas ran um die Menschenmassen auf der Brücke zu sehen.

Überfüllte U-Bein-Brücke

Hier sieht man die Menschenmassen noch ein bisschen besser. Die meisten Boote hatten bereits wieder angelegt, da der Sonnenuntergang bereits vorbei war und die Dämmerung einsetzte.

Angesichts dessen verzichteten wir auf einen Spaziergang darüber, machten nur ein paar Fotos aus der Ferne und fuhren schließlich zurück nach Mandalay. Wer wissen möchte, wie schön es mal bei der U-Bein-Bridge war, sollte einen Blick auf die Bilder in diesem Reisebericht werfen. Dort sieht man die Magie, die sie haben kann.

Damit ging unser Abenteuer Myanmar zu Ende. Am nächsten Tag ging es mit dem Nachtbus zurück nach Yangon und mittags flogen wir mit NokAir zurück nach Bangkok. Übrigens gibt es auch Direktflüge von Mandalay nach Bangkok, aber diese waren zu unserer Flugzeit wesentlich teurer (ca. 450€ für 3 Personen) als der Flug von Yangon (ca. 110€ für 3 Personen), daher entschieden wir uns für den Umweg mit dem Nachtbus.

Myanmar war aber nicht die letzte Station unserer Reise. Für unsere letzten Tage in Bangkok hatten wir uns etwas Luxus gegönnt und wir waren wiedermal überrascht, für wie wenig Geld man dort viel erleben kann. Aber dazu findet ihr mehr im nächsten Teil unseres Reiseberichts.

Pinterest Insel Inwa

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